Herr Dr. Carsten Höller hat in zwei Teilpublikationen in der „Gefiederten Welt“ Band 145, 2021, eine lesenswerte Zusammenstellung des äußeren Erscheinungsbildes, der Verwandtschaftsverhältnisse, der Verbreitung, Stimme, Nest und Biologie des Pirolsängers (Hypergerus atriceps) vorgestellt. In den einführenden Kapiteln geht der Autor auf die historische und aktuelle systematische Stellung ein, beschreibt Gefiedermerkmale und gibt Hinweise auf die Biologie dieses bemerkenswerten afrikanischen Vogels, der kaum jemals erfolgreich in Gefangenschaft gehalten und gezüchtet wurde. Herr Höller kann auf Freilanderfahrungen zurückgreifen, da er seit Jahren in Ghana und Benin ein Beringungsprogramm durchführt, in dessen Verlauf ihm der Pirolsänger mehrfach begegnete. Er hat sich in die einschlägige Literatur eingearbeitet und stellt somit ein übergeordnetes Bild und Verständnis für Hypergerus atriceps vor, für das er weitere biologische Einzelheiten erarbeitete und in seine Veröffentlichung einbeziehen konnte.

Der Kern der vorgelegten Arbeit bezieht sich auf Haltung und Nachzucht dieses äußerlich robusten aber dennoch empfindlichen Vogels. Herr Höller begann mit drei adulten Vögeln, und es gelang ihm, die beiden Weibchen insgesamt 12 Eiern legen zu lassen, aus denen schließlich vier Vögel das Adultstadium erreichten. Das ist ein recht bemerkenswertes Resultat, da so gut wie keine Zuchtberichte über den Pirolsänger vorliegen und somit kaum Erfahrungswerte existieren.

Herr Höller beschränkt sich nicht auf das reine Zusammenstellen brutbiologischer Daten, die er sorgfältig erhob. Er zieht aus seinen Beobachtungen auch Fragen, die er versucht, experimentell zu beantworten. So stellte er fest, dass einzelne Jungvögel beim Schlüpfen Schwierigkeiten hatten, dabei starben oder kurze Zeit darauf. Die relative Luftfeuchtigkeit im Haltungsraum hätte der entscheidende Faktor sein können, und die Abänderung brachte den erhofften Erfolg.

Er stellt fest, dass seine Käfigvögel trotz konstant eingestellter Tag-Nacht-Beleuchtung zu allen Jahreszeiten mit dem Brutgeschäft beginnen können. Er zieht den Schluss, dass Pirolsänger opportunistisch auf lokal auftretende günstige Bedingungen jederzeit Bruten einleiten können. Herr Höller machte die bemerkenswerte Beobachtung, dass die Altvögel bereits nach wenigen Tagen Bebrütung feststellen können, ob ein Ei befruchtet ist oder nicht. Unbefruchtete Eier werden dem Nest frühzeitig und regelmäßig entnommen.

Insgesamt hat Herr Höller eine bemerkenswerte, detailreiche und flüssig geschriebene Abhandlung mit eindrucksvoller Bebilderung vorgelegt, die die Kenntnisse über den Pirolsänger deutlich erweitert. Das Literaturverzeichnis erlaubt allen Interessierten vertiefende Studien.

Die Arbeit von Herrn Höller ist damit als preiswürdig zu betrachten und ihm der Preis für Tropenornithologie für das Jahr 2022 zuzuerkennen.