Hintergrund des Projektes

Unzertrennliche (Gattung Agapornis) sind eine kleine Gruppe afrikanischer Papageien, die nach derzeitigem Kenntnisstand neun Arten umfasst (BirdLife 2021). Sie alle eint eine lange Geschichte des Handels, da früheste Importe von Unzertrennlichen schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts nach Großbritannien erfolgten und nahezu alle Arten bei Vogelhaltern beliebt sind (Moyer 1995, Van den Abeele 2016). Pfirsichköpfchen (Agapornis fischeri) zählen zu den bekanntesten Papageien in der Haltung und sind gemeinsam mit den Schwarzköpfchen (A. personatus) die zwei endemischen Arten Tansanias (Lantermann 2004). Nach einer Studie von Moyer (1995) wurden intensiver Handel, Habitatveränderungen und Populationsrückgänge bei dieser Art festgestellt, was zu Exportregulationen und der Einstufung „potenziell gefährdet“ auf der Roten Liste der IUCN führte. Darüber hinaus zählen Pfirsichköpfchen in manchen Regionen zu den Ernteschädlingen, was dazu führt, dass die Bestände durch das Versprühen von Gift zusätzlich reduziert werden (Maier, eigene Beobachtungen).

Trotz der Bemühungen um die Erhaltung ist erstaunlich wenig über die Ökologie der Pfirsichköpfchen bekannt, und es liegen keine detaillierten Informationen über die Bestände außerhalb der Schutzgebiete vor. Zudem gibt es keine Studien über ihre Brutökologie und wichtige Ressourcen wie Brut- und Schlafbäume bzw. Schlafplätze.       

Im Rahmen dieser Studie wurden wichtige Daten gesammelt, um ein genaues Portrait der Pfirsichköpfchen im zentralen Nordwesten Tansanias zu erstellen, wo vermutlich eine der größten Populationen außerhalb von Schutzgebieten vorkommt (Moyer 1995, Moyer, persönliche Beobachtung). Meine Studie umfasst (1) Bestandsschätzungen innerhalb von vier ökologisch ähnlichen landwirtschaftlich genutzten Gebieten und (2) die Erhebung von Daten zur Brut- und Schlafplatzökologie. Hierzu wurden auch Daten zur Dichte und Altersstruktur der Äthiopischen Palmyrapalme (Borassus aethiopum) erhoben, die in diesem Gebiet als wichtigster Brut- und Schlafbaum dient (Maier, eigene Beobachtungen). Die gewonnenen Erkenntnisse können für die zukünftige Erhaltung der Pfirsichköpfchen außerhalb der Schutzgebiete eine wichtige Grundlage darstellen. Diese Studie, geleitet von Franz Maier, ist eine Kollaboration der Georg-August-Universität Göttingen und dem World Parrot Trust und wurde vom World Parrot Trust und der Gesellschaft für Tropenornithologie unterstützt.   

Studiengebiet

Das Studiengebiet liegt im zentralen Nordwesten Tansanias an der Grenze zwischen den Regionen Tabora und Singida. Die Grenze liegt teilweise im Feuchtgebiet am Wembere, das etwa 1.280 km² umfasst. Die Umgebung dieses Feuchtgebietes ist dünn besiedelt und kann als Mosaik von Akazienwäldern, Äthiopischen Palmyrapalmen und Farmland beschrieben werden. Pfirsichköpfchen kommen im Westen und Osten des Feuchtgebietes vor, fast ausschließlich in Verbindung mit den Äthiopischen Palmyrapalmen. Die vier Gebiete der Studie liegen rund um die Dörfer Kibigiri, Mwina, Mpyagula und Loya, wobei Loya mit 4.000 Einwohnern die größte Ortschaft der Region ist. Reisanbau ist die wichtigste Einnahmequelle, wie es für saisonal überflutete Flächen in Tansania typisch ist (Kamukala 1993).  

Studiendesign

Bestandsschätzungen

Für jedes der vier Gebiete wurde eine Fläche von 100 km² mithilfe des Programms Quantum Geographic Information System (QGIS) Version 3.26.1 bestimmt (QGIS Development Team 2022). Innerhalb dieser Studiengebiete wurden jeweils acht zufällig verteilte Areale gewählt, sodass insgesamt 32 Areale untersucht wurden. Diese wiesen eine Größe von 1,5 x 2 km auf und enthielten jeweils vier Transekte von 2 km Länge mit einem Abstand von 500 m zwischen den Transekten. Daraus ergaben sich jeweils 64 km lange Transekte in jedem der vier Studiengebiete, also insgesamt 256 km. Bei den Transektbegehungen wurden bei jeder Sichtung die Schwarmgröße stationärer Pfirsichköpfchen und die Distanz bzw. der Winkel zum Transekt gemessen. Zur genauen Lokalisierung wurde ein GPS verwendet. Nahe gelegene Punkte wurden zu Fuß erreicht, weiter entlegene mit einem Fahrzeug. Die Begehungen fanden am frühen Morgen zwischen 06:00 und 10:00 Uhr statt, wenn die Pfirsichköpfchen am aktivsten sind. Für die Auswertung der erhobenen Bestandsdaten wurden die Programme R Version 4.1.0 (R Core Team 2021) und DISTANCE Version 7.5 (Thomas et al. 2010) verwendet. 

Brut- und Schlafplatzökologie

Für jedes der vier Studiengebiete wurde das Areal mit Äthiopischen Palmyrapalmen anhand von Satellitendaten in QGIS bestimmt. Innerhalb dieses Areals wurden 32 zufällig verteilte Punkte festgelegt. An jedem dieser Punkte wurden die fünf nächstgelegenen Setzlinge der Palmyrapalmen bestimmt (sie tragen nur Keimblätter oder Primärblätter, keine fächerförmigen Blätter) und ihre Entfernung zum Untersuchungspunkt wurde mit einem Laserentfernungsmesser ermittelt. Dieses Vorgehen wurde auch bei Jungpflanzen (fächerförmige Blätter, keine Stiele oder Reproduktionsorgane), ausgewachsenen Pflanzen (fächerförmige Blätter mit Stiel, reproduktionsfähig) und abgeholzten Palmenstumpfen wiederholt. Zusätzlich wurden bei den ausgewachsenen Palmen die Höhe, das Geschlecht und das Vorkommen von Nestern der Pfirsichköpfchen bestimmt. Diese Untersuchungen fanden am späten Nachmittag zwischen 16:00 und 18:00 Uhr statt. Anschließend wurden während der Dämmerung, wenn die Pfirsichköpfchen zum Schlafen in die Nester zurückkehren, die nächstgelegenen zwei Brut- bzw. Schlafpalmen beobachtet. Für diese Palmen wurden die Höhe, das Geschlecht und die Anzahl der Nester von A. fischeri ermittelt, sowie die Zahl der Pfirsichköpfchen, die zum Schlafen dorthin zurückkehrten.

Ergebnisse

Alle vier Studiengebiete wurden wie geplant besucht. An jedem Standort wurden alle acht Areale erfolgreich untersucht, außer in Mwina, wo versehentlich ein Areal ausgelassen und stattdessen ein anderes zweimal begangen wurde. Daraus ergibt sich, dass insgesamt 31 Areale untersucht und 256 km Transekte abgegangen wurden. Dabei wurden 366 Schwärme stationärer Pfirsichköpfchen gesichtet und die durchschnittliche Schwarmgröße betrug 6,8 Individuen. 

In jedem Gebiet wurde das von Palmyrapalmen eingenommene Areal untersucht. In Loya und Mpyagula wurden an 27 Untersuchungspunkten jeweils die nächstgelegenen fünf Palmen jeder Altersklasse (Setzlinge, Jungpflanzen, ausgewachsene Pflanzen und Palmenstumpfen) analysiert. In Mwina und Kibigiri fand dies an 30 Untersuchungspunkten und den jeweils drei nächstgelegenen Palmen der vier Altersklassen statt. Daraus ergibt sich eine Gesamtzahl von 450 untersuchten Palmen für jede Altersklasse. Bei 420 Individuen wurden zusätzlich die An- bzw. Abwesenheit von Nestern der Pfirsichköpfchen, die Höhe und das Geschlecht bestimmt. Im Schnitt wurden bei 46,2 % der Palmyrapalmen Nester festgestellt, wobei der geringste Anteil mit 12,6 % in Loya lag und der höchste Anteil in Mpyagula bei 74,8 % lag.  

Während der Dämmerung wurden 59 Nist- und Schlafpalmen observiert. Durchschnittlich wurden in einer Palme 4,7 Nester festgestellt und 16,7 Pfirsichköpfchen kehrten zum Schlafen dorthin zurück. In Loya wurde die niedrigste Anzahl mit 3,2 Nestern und 7,6 zum Schlafen eintreffenden A. fischeri beobachtet. In Mwina wurde dagegen die höchste Anzahl von durchschnittlich 6,6 Nestern in einer Palme und 27 zum Schlafen zurückkehrenden Pfirsichköpfchen festgestellt. Das Maximum von 10 Nestern und 37 zurückkehrenden Pfirsichköpfchen an einer einzigen Palme wurde ebenfalls in Mwina festgestellt.